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März 2008

Am Montag war es endlich so weit. Ich hielt mein neues Baby in den Armen. Im dezenten Orange stand ein wunderschönes Scalpel in 170 cm vor mir.

Dienstags Nacht packte ich mein Auto (800km sind ja schnell gefahren), um zu testen ob es nicht nur sau gut aussieht, sondern sich auf dem Hang auch so benimmt.

Um meine Erfahrungen besser einschätzen zu können kurz ein paar Daten über mich. Bisher bin ich den Silberpfeil gefahren. Ich bin 188cm groß und wiege 87 kg. Ende Februar nahm ich an dem Swoard Event teil und machte so meine ersten Erfahrungen mit der EC Technik. Eine der Informationen die ich dabei bekommen habe war, dass mit dem SP das EC zwar möglich ist aber es bessere Boards gibt. Ich testete deshalb ein hartes Swoard Board in 175 cm. Meine Eindrücke waren folgende: Ein wesentlich besseres Gefühl auf der Kante und ich hatte den Eindruck es schluckt jeden Buckel weg. Als großen Nachteil empfand ich, dass das Ding sich ähnlich fuhr wie ein Tanker. Auf Dauer waren kurze Schwünge eher anstrengend. Als Allrounder empfand ich es daher unpassend und nach einer kurzen Testphase wechselte ich wieder auf mein SP.

Zu Hause machte ich mich auf der Suche nach einer Alternative die folgende Punkte erfüllen sollte. Ein Board das dem EC Stil entgegenkommt (Bindung sollte im stupfen Winkel einstellbar sein). Der Radius sollte klar größer sein als beim SP. Es sollte aber auch wendig genug sein um auf vollen Pisten Spaß zu haben. Und natürlich das Wichtigste, auf harten Pisten wollte ich endlich ordentlichen halt auf der Kante haben.

So kam ich auf das Scalpel und konnte dies im Grindelwald testen. Über Nacht gab es Neuschnee in Verbindung mit Sturmböen. Die Pisten waren daher in den Mulden mit Pulverschnee bedeckt, die dann teilweise bedingungslos in Eis überging. Mit etwas Respekt kam ich aus dem Lift und hatte gleich einen schmalen Ziehweg vor mir. Ich dachte dabei unweigerlich an die Erfahrungen mit dem Swoard Board und dessen Tankereigenschaften. Doch als ich die ersten Schwünge ansetzte kam die erste positive Überraschung. Spielend leicht lies sich das Board in kurzen Schwüngen von eine auf die andere Kante legen und so kam ich zur ersten breiten Piste und diese war Menschenleer ( war auch erst 09.00 ). Ich setzte die ersten Schwünge an, in der Manier wie ich es auch mit dem SP getan habe. Dabei legte ich das Board zwar auf die Kante aber im vergleich zum SP sauste ich fast im Schuss Richtung Tal. Hier machte sich das erste Mal die unterschiedlichen Eigenschaften der Boards bemerkbar. Das SP fährt seinen Radius immer wie vorgegeben. Eine hoch tief oder push pull Technik spielt dabei gerade bei langsamen Geschwindigkeiten eine untergeordnete Rolle. Schnell kam die Erkenntnis, dass das Scalpel aktiv gefahren werden will. Nach zwei drei Schwüngen war der Knoten geplatzt und ich machte eine weitere positive Erfahrung. Endlich erhielt ich mal eine Rückmeldung auf die hoch, tief Bewegung. Beim SP war diese einfach zu gering. Ich finde dies wichtig, da man so deutlich einfacher an seiner Technik arbeiten kann. Fehler bekommt man so sofort gemeldet und lassen sich so klasse beheben. Jetzt wurde ich natürlich mutiger und erhöhte die Geschwindigkeit. Wieder lag eine herrlich leere Piste vor mir. Doch diese sollte tückisch sein. Im oberen Bereich war eine dünne Schicht Neuschnee vorhanden. Im mittleren Bereich war diese aber nur auf der rechten Seite, die linke war streckenweise pures Eis. Dies erkannte ich aber erst als ich im Schwung aus dem Neuschnee auf die vereiste Piste zusteuerte. Und auch hier wieder eine positive Überraschung. Das Board biss sich förmlich in das Eis. Auch der nächste Schwung von der Back- auf die Frontside brachte das Skalpell nicht aus der Ruhe. Dies war umso erstaunlicher, da ich den Schwung nicht gerade technisch sauber gefahren bin. Das Board strahlte eine Ruhe aus, dass selbst unter solchen Bedingungen richtig Freude aufkam. Leider lief uns ein wenig die Zeit davon um auf diesen Pisten weiter zu testen.
Wir wechselten nun in ein angrenzendes Gebiet ( wir wollten der Sonne nach ). Leider waren hier durch die Sonne die Pisten doch erheblich weicher und auch voller. Unter den Bedingungen bekommt man eigentlich mit jedem Board guten Kantenhalt, also kann ich zu dem Thema nicht mehr viel sagen, aber dafür zu den Fahreigenschaften auf sulzigen und aufgewühlten Pisten. Auch hier gab es ein paar nette Überraschungen. Auf aufgeschobenen Buckelpisten ( am Nachmittag ist dies ja eher ständig der Fall ) konnte ich das Scalpell fast Freerider mäßig bewegen. Es lies sich einfach spielend leicht drehen. Zum carven waren die Buckel für mein empfinden eh zu groß und der Hang zu voll. Einzige negative Erfahrungen machte ich auf sehr flachen Hängen. Hier war es mit dem SP in Verbindung mit kurzen Schwüngen deutlich einfacher die Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten. Das Scalpel verlor hier recht schnell an Fahrt. So ging dann der Tag zu ende. Der weite Tag fing dann mit Sonnen an. Allerdings hat es die Nacht wieder geschneit und die Pisten wurden nicht präpariert. Dies wurde dann zwar im Laufe des Vormittag nachgeholt aber durch die hohen Temperaturen kam der Sulz recht schnell. Im Bereich des carven konnte ich dadurch leider nicht mehr viel testen, aber dafür umso ausgiebiger den zweiten Teil der gestellten Aufgabe, der Alltagstauglichkeit. Hier bestätigten sich die Erfahrungen aus dem ersten Tag.

Fazit: Ich denke ich bin im Bereich des „klassischen carven“ ein recht ordentlicher Fahrer im Bereich des EC ein Anfänger. Ich suchte ein Board das mir das erlernen des EC vereinfacht, guten Grip besonders auf harten Pisten hat und trotzdem auch auf vollen und nicht perfekt präparierten Pisten gut einsetzbar ist. Solch ein Board habe ich mit dem Scalpel zu 100% gefunden. Sehr häufig kommt gerade von EC Anfängern die Frage nach dem richtigen Board. Ich kann nur jedem empfehlen dieses Board zu testen.


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